Sparkassen-Stiftung vergibt 10. Geschichtspreis
Ehrungen gehen nach Burgstädt, Frankenberg und Freiberg




Am 5. November 2011 vergab die Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen den 10. Andreas-Möller-Geschichtspreis. Die feierliche Preisverleihung fand traditionell in der Freiberger Nikolaikirche statt. Mit fachlicher Unterstützung des Freiberger Altertumsvereins ehrte die Stiftung herausragende Arbeiten zur regionalen Geschichtsforschung.
Aus etwa 30 Vorschlägen wählte die Stiftung in diesem Jahr Christel Grau, das Autorenkollektiv des früheren "VEB Landbaukombinat Karl-Marx-Stadt" und den Förderverein Fahrzeugmuseum Frankenberg/Sa. e. V. aus.
Ehrung für Chronistin, Autorengruppe und Förderverein
Christel Grau beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Freiberger Geschichte. Als Mitarbeiterin des Historischen Altbestandes der Freiberger Uni-Bibliothek engagierte sie sich für den Erhalt dieses besonders wertvollen Buchbe-standes. Frau Grau ist Gründungsmitglied des Freiberger Altertumsvereins und verantwortet die Vereins-Zeitschrift „Freiberger Land“. In ihrer Forschungstätigkeit widmet sie sich verschiedenen Themen, u. a. der Geschichte der Bibliothek des Altertumsvereins und der Münzgeschichte. Sie übersetzt historische Texte und Urkunden aus dem Lateinischen. Mit ihrem Fleiß und ihrer Genauigkeit schuf sie im Laufe der Zeit ein sehr beachtliches Werk.
Eine Autorengruppe ehemaliger Beschäftigter des "VEB Landbaukombinat Karl-Marx-Stadt" mit Sitz in Burgstädt hat eine Chronik dieses Betriebes erstellt. Wir zeichnen das Autorenkollektiv um Werner Jacobi für die umfang-reichen Recherchen und das Bemühen um die Doku-mentation der Erinnerungen von Zeitzeugen aus. Die Entwicklung des Landbaukombinates ist von den An-fängen nach dem 2. Weltkrieg bis zur Entstehung eines leistungsfähigen Baukombinates dargestellt. Betriebliche und gesellschaftliche Strukturen werden vorgestellt, die Personalsituation beschrieben und kulturelle Aktivitäten einschließlich Ferieneinrichtungen beleuchtet. Die Autoren haben teilweise lange Zeit im Kombinat gearbeitet. Mit ihrer Zusammenstellung zeigen sie am Beispiel in Burgstädt, wie sich der Betrieb über die Jahre hinweg entwickelte.
Das Fahrzeugmuseum Frankenberg/Sa. hat sich auf FRAMO- und BARKAS-Fahrzeuge sowie die dazugehörige Zuliefererindustrie spezialisiert. Der engagierte Förder-verein hat die Betriebsgeschichte von 1923 bis 1991 erforscht und für die Sammlung und Restaurierung von Sachzeugen und Dokumenten gesorgt. Er organisiert Führungen durch die Ausstellung, die vor allem bei Jugendlichen auf großes Interesse stößt. Die Vereinsmit-glieder leisteten alles in ehrenamtlicher Arbeit – sie führen die Besucher, beschafften Ersatzeile für alte Fahrzeuge und sichern historisch wertvolle Dokumente. Der Verein hat es damit geschafft, einen Teil der sächsischen Fahrzeug- und Industriegeschichte der Region erlebbar zu machen.
Historiker von morgen
Die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Ge-schichte am Freiberger Geschwister-Scholl-Gymnasium unter der Leitung von Dr. Volker Bannies erhalten die An-erkennung „Historiker von morgen“. Die 16 Gymnasiasten hatten sich intensiv mit dem Leben und Wirken des Nationalpreisträgers Otto Fleischer beschäftigt, der 1953 in Folge eines Grubenunglücks in Zwickau zu einer mehr-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Unter dem Titel „Der Fall Otto Fleischer“ entstanden Ausstellungstafeln und ein Textband.
Feierliche Preisverleihung
Zur Preisverleihung wurden in diesem Jahr Festvorträge zu großen Baumeistern in Mittelsachsen geboten. Wolfram Günther stellte den Baumeister Hieronymus Lotter (16. Jahrhundert) vor. Yves Hoffmann referierte zum Freiberger Ratszimmermeister Johann Gottlieb Ohndorff aus dem 18. Jahrhundert. Dr. Konstantin Hermann sprach über die Freiberger Baumeisterfamilie Göpfert um 1900.
Musikalisch wurde die Veranstaltung durch Musikschüler der Mittelsächsischen Kultur gGmbH begleitet.
Gemeinschaftsprojekt von Sparkassen-Stiftung und Geschichtsverein
Gemeinsam mit dem Freiberger Altertumsverein bemüht sich die Stiftung, verdienstvolle historische Arbeiten bekannt zu machen, anzuerkennen und damit weiteres Engagement anzuregen. Personen und Institutionen können Preisträger vorschlagen, die in den Bereichen historische Forschung und Dokumentation, Vermittlung und Präsentation der Regionalgeschichte sowie Pflege und Erhalt von Industrie und Baudenkmalen tätig sind. Der Preis ist mit jeweils 500 Euro dotiert.
Der Geschichtspreis wurde seit 2002 an 22 Chronisten und vier Autorengemeinschaften für wissenschaftliche Publikationen verliehen. Die Anerkennung „Historiker von morgen“ für bemerkenswerte Schul- oder Studienprojekte ging bereits sechs Mal an Arbeitsgruppen von Kindern und Jugendlichen. Für den 10. Andreas-Möller-Geschichtspreis konnten erstmals auch Projekte und Chronisten aus dem Mittweidaer Raum vorgeschlagen werden.

