Andreas-Möller-Bibliothek Freiberg - Handschriften und Drucke aus dem 15./16. Jahrhundert gerettet

Restaurierungsvorhaben in historischer Freiberger Schulbibliothek

Im Jubiläumsjahr 2015 werden das 500-jährige Bestehen der Schule und 450 Jahre Übernahme der ehemaligen Klosterbücherei gefeiert. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen legten jetzt den Grundstein für die langfristige Sicherung der überregional bedeutsamen Sammlung.

"Die Freiberger Andreas-Möller-Bibliothek und ihre Handschriften und Bücher lassen uns tief in die Geschichte vordringen. Durch ihren Erhalt im Gymnasium können die Schüler eine faszinierende Expedition ins Mittelalter und die Frühe Neuzeit durchführen", so Claus Friedrich Holtmann, Vorsitzender des Vorstandes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes.

Der Schulleiter des Gymnasiums, Michael Albrecht, sowie der Kustos der Bibliothek, Dr. Volker Bannies, brachten nach Ankündigung des für Schule und Bibliothek überaus positiven Bescheids vom 25. Mai 2010 durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen ihre große Freude zum Ausdruck. "Wir sehen in dieser Mitteilung eine besondere Wertschätzung für die Pflege herausragenden Kulturgutes, aber auch die deutliche Unterstützung, die unserem Gymnasium zugutekommt. Mit der avisierten Fördersumme wird es möglich sein, in den nächsten Jahren rund 20 ausgewählte Bände der Bibliothek restaurieren zu lassen."

Im Haus Albertinum hat die Schule die wertvolle Bibliothek untergebracht. Diese beherbergt Bestände des 1233 gegründeten Klosters der Dominikaner und des vermutlich im gleichen Jahr entstandenen Franziskanerklosters sowie des 1480 gegründeten Domstifts. "Ein breites Fächerspektrum umfassend, weisen die Kataloge heute eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Handschriften aus, darunter Pergament- und Papierhandschriften aus dem Mittelalter", freut sich Bannies. "Über 500 Inkunabeln/Wiegendrucke, darunter viele Stücke, die durch ihre drucktechnische und sonstige Ausstattung (Initialen, Miniaturen, Randleisten, Holzschnitte, Einbände) bestechen, 1754 Frühdrucke sowie Drucke des 17. und 18. Jahrhunderts runden den historischen Altbestand ab, der durch eine moderne Arbeitsbibliothek für Schüler erweitert wurde."

Bannies hielt fest: Entstanden aus humanistischem Geist, haben sich Generationen um die Bibliothek verdient gemacht, mit Fleiß und Akribie für ihre Erhaltung gesorgt, radikale Eingriffe abgewehrt, ihre Bestände erforscht und vermehrt. Die Auswahl von Bänden für vorgesehene Restaurierungsmaßnahmen erfolgte u. a. nach dem Grad der Schädigung, der kulturellen Bedeutsamkeit und dem Seltenheitswert. Schon jetzt ist die Spannung groß, wie es dem Restaurator Uwe Löscher, einem versierten Fachmann, und seinen Mitarbeitern gelingen wird, bedauernswerte Zustände zu beenden.

Das Decretum Gratiani (Kirchenrecht), gedruckt 1472 von Peter Schöffer, die Schedelsche Weltchronik, die gedruckte zehnte Vorlutherische Bibelübersetzung, herrliche Pergament-handschriften und das Geschlechter-Buch der Reichsstadt Augsburg, um nur einige Werke zu nennen, sind ein kulturelles Erbe, das auf Mäzene angewiesen ist.

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